Mein Chronotyp: Ich bin Spättyp – extremer Spättyp!

Mein Chronotyp - Ich bin ein extremer Spättyp
Mein Chronotyp

Kennen Sie Ihren Chronotyp? Meine biologische Nacht beginnt um 3.30Uhr, die meiner Frau übrigens um 3.40Uhr, jeweils in der Normalzeit. 5% aller Menschen zählen zu den extremen Spättypen, in unserer Ausprägung sogar nur 1-2%. Bestätigt wurde dies durch einen neuen, wissenschaftlich validierten Haarwurzeltest, den es seit dieser Woche gibt. Und natürlich wollte ich einer der Ersten sein.

Eine Überraschung war das Ergebnis für mich nicht, denn dieses Gefühl „später als der Rest zu sein“, war mit einer der Gründe, warum ich vor knapp 20 Jahren angefangen habe, mich mit der Chronobiologie zu befassen. Als Führungskraft im Handel musste ich oft als erster im Unternehmen sein. Im Gegenzug kam ich aber Abends nicht ins Bett. Hierdurch baute sich ein horrendes Schlafdefizit auf. Erst die Chronobiolologie öffnete mir die Augen und jetzt weiß ich damit umzugehen. Stand damals einzig der Fragebogen zur Bestimmung des Chronotyps zur Verfügung (demzufolge war ich ein leichter Spättyp), gibt es seit 3 Jahren einen Blut- und eben ganz aktuell auch einen Haarwurzeltest.

2003

Ich selbst war bereits 2003 an der Universität Wien um zu eruieren, welche genaueren Methoden man entwickeln könnte, um den Chronotyp jenseits subjektiver Einschätzungen oder Antworten ermitteln zu können. Blutwerte, Körpertemperatur oder andere Parameter standen damals zur Debatte. 2003 scheiterte eine entsprechende Forschung an finanziellen Mitteln. Die Wirtschaft als möglicher Sponsor war von dem Thema „Chronobiologie“ noch überfordert. Die Akzeptanz fehlte.

Dies sieht heute, fast 20 Jahre und einen Nobelpreis später anders aus. Prof. Dr. Achim Kramer und sein Team an der Charité in Berlin haben es nun umgesetzt. Sie entwickelten einen Bluttest, der über 12 Biomarker im Blut den Chronotyp identifizieren kann. Für ihre Studie entnahmen sie zunächst Probanden über den Tag hinweg mehrfach Blut und verfolgten darin die Aktivität von rund 20.000 Genen. Über einen lernfähigen Algorithmus isolierten die Forscher dann aus diesen 20.000 Genen die eben genannten zwölf Gene. An Ihnen lässt sich der sogenannte DLMO der Testperson ablesen. Der DLMO zeigt den Zeitpunkt an, an dem die natürliche Melatoninausschüttung beginnt. Darauf basierend kann man bestimmen welchem Chronotyp dies entspricht. Wie das genau funktioniert, zeigt die folgende Grafik beispielhaft. Dies funktioniert auch dann, wenn die Testperson entgegen ihres biologischen Rhythmus früh morgens durch einen externen Impuls (Wecker, Person etc.) geweckt wird.

Erläuterung der biologischen Nacht

Auf Basis des DLMO wird dann die sogenannte biologische Nacht errechnet, indem bei Frühtypen 150 Minuten, bei Normaltypen 120 Minuten und bei Spättypen 90 Minuten Müdigkeitsphase angenommen werden, nach deren Ablauf die jeweilige biologische Nacht beginnt. Diese stellt den Zeitraum dar, den quasi die Natur als Schlafzeitraum in unsere Gene geschrieben hat, ähnlich wie unsere Fußgröße.

Die biologische Nacht
So errechnet sich die biologische Nacht

Vom Haarwurzeltest zum Chronotyp

Seit wenigen Tagen ist es nun eben auch über einen Haarwurzeltest möglich, diesen DLMO zu ermitteln. Die Grundlagen sind die gleichen, jedoch werden als Probe mehrere Haarwurzeln (Kopfhaar) benötigt. Exakt diesen Test habe ich nun bei mir und meiner Frau durchführen lassen, mit dem Ergebnis, dass wir beide zu den wenigen 5% der Bevölkerung gehöre, die einen solch extrem späten Chronotyp in ihren Genen haben. Schon fast ein Wunder, dass meine Frau ebenso zu diesen 5% gehört. Zwischen ihr und mir liegen ganze 10 Minuten, die sie sogar noch später liegt, als ich.

Im täglichen Leben wußten wir das schon lange, aber es ist ein anderes Gefühl, es plötzlich auch schwarz auf weiß zu haben. Sie selbst hatte 2011 einen Schlafdefizit bedingten Burnout. Tägliches Aufwachen um 6.30Uhr, Kind versorgen und dann zur Arbeit, blieb für Sie als extremer Spättypen langfristig nicht ohne Folgen. In der darauffolgenden Rehabilitationsphase schlief Sie über mehrere Monate 16h pro Tag! Der Körper hat sich schlicht das zurückgeholt, was ihm vorher versagt wurde.

Durch die ergänzenden Informationen in dem 25 seitigen Testbericht kann man sehr gut vergleichen, ob man so tickt, wie man vermutet. Auch die Deckung bei mir in Bezug auf Essenszeiten, Arbeitszeiten etc. ist erstaunlich.

Die Crux … durch die Sommerzeit wird 3:30 Uhr zu 4:30 Uhr, denn die innere Uhr macht diesen Schritt eben nicht mit. Wie ich und meine Frau damit täglich umgehen, werde ich im Rahmen eines Webinars demnächst erläutern.

Chronotyp: Bedeutung für die Gesellschaft

Kann diese Art der Bestimmung des Chronotyps über derartige Tests auch revolutionäre Effekte auf Wirtschaft, Tourismus und Bildung haben? Die Antwort lautet definitiv „JA“! Natürlich ist eine Probenentnahme immer ein Eingriff am Menschen und bedarf seiner Einwilligung. Zudem kostet er Geld (Haarwurzeltest z.B. 149€). Aber es geht dabei um weit mehr ,als nur die Bestimmung eines Chronotyps. Dieser Test zeigt, dass die Chronobiologie in der Schulmedizin angekommen ist. Ein Chronotyp ist nicht mehr nur ein imaginäres Gebilde oder eine Glaubensfrage, weil es die einen spüren, die anderen nicht, sondern eine beweisbare genetische Prädisposition wie z.B. die Fußgröße. Darauf läßt sich gezielt aufbauen, egal ob privat oder in Unternehmen, um echte Prävention auf allen Ebenen zu erreichen.

Es geht nun darum, dass Entscheider die gewaltigen Potenziale der Einbeziehung individueller Chronotypen in BGM und HRM als Möglichkeit erkennen, aktiven Einfluss auf Fehlzeiten, Fehlerkosten und Fluktuation zu nehmen. Die Einbindung der Chronobiologie in das BGM wird somit nur eine Frage der Zeit sein.

Der Weg

Das Hauptproblem liegt darin, dass es auf dem Markt aktuell nur wenige Experten gibt, die in der Lage sind, den Zusammenhang zwischen Chronotyp und wirtschaftliche Prozessen zu verstehen, um entsprechende Strategien zu erarbeiten. Auf der einen Seite gibt es Chronobiologen, die ihre Expertise auf dem Gebiet der Chronobiologie haben, auf der anderen Seite Unternehmensberater, Wirtschaftsexperten, HR-Experten etc.. Letztere haben zu einem Großteil noch nicht einmal etwas von der Chronobiologie gehört. Aber dies wird sich ändern.

Als ich 2003 als erster Betriebswirt überhaupt begann, mich mit der Chronobiologie zu befassen, wurde ich belächelt und nicht selten in die Esoterik-Ecke geschoben.

Ich prophezeie, dass die Chronobiologie in 5-10 Jahren zum Standardrepertoire der großen, innovativen Unternehmensberatungs-Agenturen und Krankenkassen und der Chronotyp zur Standardinformation in Bewerbungsunterlagen gehören wird.


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