Der Trojaner

Zunächst – nein, hierbei handelt es sich nicht um eine Schadsoftware, wie der Name vermuten lassen könnte. Wir alle kennen die Geschichte vom Trojanischen Pferd. Nachdem die Griechen im Trojanischen Krieg lange Zeit erfolglos um die Eroberung von Troja gekämpft hatten, rief der Seher Kalchas eine Versammlung der vornehmsten Helden zusammen und riet ihnen, Troja nicht mit Gewalt, sondern mit Hilfe einer List zu erobern.

Die Mauern Trojas haben mit Sicherheit eine ähnliche Dicke gehabt, wie die Mauer des Zweifelns und der Ängste die sich vor Veränderungsprozessen aufbauen. Diese mit Gewalt einzunehmen, wird kläglich scheitern! Welche List verbirgt sich nun aber hinter dem Trojaner in diesem Fall? Nun, die List ergibt sich aus der Tatsache, dass Menschen begehren! Wir Ihnen etwas aufoktruiert, wehren Sie sich dagegen, da es von aussen kommt. Ziel des Trojaner ist jedoch Begehren für den Change zu wecken. Wie funktioniert dies?

Gehen wir von einem Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern aus, welches aus verschiedensten Abteilungen und Bereichen besteht, in welchen die unterschiedlichsten Stufen von „Zusammenarbeit“ betrieben werden! Eine Person (aus externen oder internen Ressourcen heraus recruitiert sei erst einmal dahingestellt) wird mit einem klaren, mittelfristgen Auftrag und entsprechenden Kompetenzen ausgestattet. Dies könnte z.B. die Gründung einer Abteilung „Mobiles Arbeiten“ sein. Es könnten aber auch andere Zielsetzungen sein. Ausschlaggebend wäre hier die Situation vor Ort und innerbetriebliche Gegebenheiten.

Wichtig ist jedoch hierbei, dass diese Aufgabe den Aufbau eines Teams beinhaltet. Ebenso ist wichtig bei der Auswahl dieser Person, dass diese

  • absolut loyal gegenüber dem Unternehmen ist
  • auf Basis eines „Liquid Work-Profiles“ ausgewählt wurde, und dem Mobilen Arbeiten mit all seinen Konsequenzen offen gegenübersteht
  • als Stabsstelle ausschließlich der Unternehmensführung (und vor allem nicht direkt dem HR-Department) untersteht
  • mit einem begrenzten Budget ausgestattet ist
  • Führungsqualitäten und vor allem soziale Kompetenz besitzt

Diese Person macht sich nun auf den Weg, sucht sich für die Aufgabenerfüllung interne oder externe Mitstreiter. Hierbei wird sie komplett sich selbst überlassen. Korrekturen sollten nur dann erfolgen, wenn

  • diese in übereinstimmender Absprache mit dem Trojaner erfolgen
  • die Unternehmensleitung eine Gefahr für den Unternehmensfrieden ernsthaft gegeben sieht,
  • z.B. Krankheit des „Trojaners“ eine Fortführung gefährden könnten. Entsprechende Szenarien werden im Vorfeld durchgesprochen

Ganz nach der Zielrichtung erhält dieser Trojaner alle Freiheiten in Bezug auf die Wahl seiner Arbeitszeiten, seiner Arbeitsorte, Methoden etc..

Die Zielsetzung ist dabei sehr einfach! Eine Person (der Trojaner) wird quasi in der Masse ausgesetzt, und soll nun eigenverantwortlich z.B. als „Liquid Worker“ ein Team von Liquid Workern zusammenstellen, die eine gemeinsame Aufgabe erfüllen sollen. Dieses Team wird auf Probleme und Widerstände stoßen, die es jedoch autark und soweit möglich ohne Mitwirkung der Unternehmensführung selbst lösen soll.

Der Effekt wird sein, dass sich diese Aktivtäten im Unternehmen herumsprechen werden. Man wird sehen, dass dieses Team selten im Unternehmen selbst sein wird, mit mobilen Geräten ausgestattet ist, eigene Entscheidungen über Zeitpunkte, Art und Ausprägung Ihrer Arbeit treffen kann, also dem ganzen Unternehmen quasi live vorlebt, welchen Effekt diese Form des Arbeitens für die Mitglieder dieses Team hat!

Natürlich geht es auch darum, alle auftretenden negativen Effekte zu analysieren. Wo treten Konfliktsituationen auf, wie unterschiedlich reagieren die Familien der Teammitglieder darauf, wie und mit wem finden soziale Kontakte und Kommunikation (alle Ebenen) statt, wie  entwickelt sich das subjektive Wohlbefinden etc..

Ich möchte diese Methode hier nur anschneiden. Sie ist sicher auch nicht für jede Art eines Changes geeignet. Dennoch hat diese Form des Changes gewaltige Vorteile. Zum einen reduziert sich der Planungsaufwand für die Umsetzung dramatisch da organisatorische Abläufe im Prinzip zunächst nur bedingt betroffen sind. Aufbau- und Ablaufplanung wird zunächst in erster Linie auf den Trojaner selbst und bestimmte Faktoren des aufzubauenden Teams ausgelegt. Negative Entwicklungen bleiben kontrollierbar und bieten Chance für Korrekturen. Die weitere Entwicklung von Aufbau- und Ablaufplanung geschieht sozusagen „on the fly“. Wiederstände der Mitarbeiter gegen den Change werden sich kaum aufbauen, da er sie zunächst nicht betrifft, und auch das Endziel nicht zwangsweise darin besteht, dass er diesen Change dann doch mitmachen muss. Also wie es z.B. bei Facebook mit Einführung der Chronik geschehen ist. Zunächst blieb alles auf Basis der Freiwilligkeit. Man konnte wählen, ob man das alte,oder das neue Profil  halten wollte. Am Ende jedoch, wurden alle Mitglieder dennoch zwangsweise auf die Chronik umgestellt!

Facebook kann eine solche Zwangsjacke seinen Mitgliedern (noch) überstülpen, ohne langfristig schaden zu nehmen, ein Unternehmen kann dies nicht.

Jedoch möchte ich nicht missverstanden werden. Das Ziel eines Changes via Trojaner muss nicht sein, dass am Ende jeder Mitarbeiter die freie Wahl hat, wie er arbeiten möchte. Ziel ist es dem Mitarbeiter Ängste vor dem Wandel zu nehmen, indem transparent vorgelebt wird, was auf sie zukommen kann. Damit Probleme innerhalb des Change-Prozesses nicht auf alle Mitarbeiter Auswirkungen haben und somit Unzufriedenheit, mehr Ängste und gewaltige Kosten produzieren wird eben dieser Trojaner sozusagen als Prototyp den Prozess oder zumindest Teile vorwegnehmen, um Probleme und Widerstände sichtbar zu machen, und Lösungen zu finden.

Mehr zum Thema Mobiles Arbeiten, Changemanagement und Chronobiologie finden Sie in meinem Buch „Chronobiologie im Personalmanagement

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