Meine Geschichte – Meine Vision
Michael Wieden
„Die intelligentesten Systeme der Zukunft könnten jene sein, die die biologische Realität des Menschen berücksichtigen.“
Mein berufliche Karriere begann ursprünglich in einem völlig anderen Umfeld – Waffen. Klingt seltsam, aber 12 Jahre waren Waffen mein beruflicher Schwerpunkt beim größten deutschen Handelsunternehmen für Jagd – und Sportwaffen. Vielleicht war gerade diese Distanz zu klassischen Gesundheits- oder Wissenschaftsstrukturen einer der Gründe, warum ich begann, menschliche Leistungsfähigkeit anders zu betrachten.
2002 wollte ich aus diesem Umfeld heraus, und nahm an einer der ersten Remote-Weiterbildungen Deutschlands teil — damals noch per Satellit von zuhause oder zeitweise aus einem kleinen Café bei Marbella an der Costa del sol. Für die damalige Zeit war das nahezu futuristisch.
Die erste Woche der Weiterbildung fand jedoch noch klassisch in einem Seminarraum in Würzburg/Deutschland statt. Um die Teilnehmer besser kennenzulernen, teilte die Dozentin die Gruppe in mehrere Teams auf. Unsere Aufgabe:
Entwickelt ein neues Zeitmanagement-System.
15 Minuten hatten wir Zeit, und während die meisten Gruppen über technische Lösungen, Prozesse und Organisation nachdachten, kam mir spontan ein völlig anderer Gedanke:
„Warum orientiert sich Zeitmanagement eigentlich nicht an der Leistungsfähigkeit des Menschen?„
Unsere Gruppe entwickelte aus dieser Idee innerhalb weniger Minuten einen kurzen Pitch. Als wir ihn präsentierten, reagierten die Teilnehmer und die Dozentin unerwartet begeistert. Ein Satz der Dozentin ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben:
„An diesem Thema müssen Sie unbedingt dranbleiben.“
Ohne es damals zu wissen, waren diese 15 Minuten vermutlich mein erster bewusster Berührungspunkt mit der Wissenschaft der Chronobiologie, die ab diesem Tag Stück für Stück zum Zentrum meiner Arbeit werden sollte.
INQA – Initiative neue Qualität der Arbeit
Ein halbes Jahr später besuchte ich eine Veranstaltung der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) mit Entscheidern aus Politik und Wirtschaft. Am Abend konnten Teilnehmer und Teilnehmerinnen spontan Themen für kleine Open-Space-Workshops am nächsten Tag an eine Pinnwand hängen.
Ich schrieb einen Zettel „Chronobiologie im Personalmanagement“ und hängte ihn an die Pinnwand. Obwohl das Thema damals völlig unbekannt war, standen am Ende des Abends zehn Namen darunter. Den Workshop hielt ich ohne Vorbereitung spontan, und auch hier waren alle begeistert von dem Ansatz. Am Ende kam ein Teilnehmer zu mir und sagte:
„Da gehen einem 1000 Fenster auf.“
Diese beiden Sätze begleiten mich und meine Arbeit bis heute … übrigens auch die Arbeit dieses Teilnehmers, mit dem ich bis heute in Kontakt bin.
Relevanz
Viele Probleme der heutigen Zeit betrachten wir isoliert, obwohl sie häufig Ausdruck eines tieferliegenden Konflikts zwischen menschlicher Biologie und modernen Systemen sind.
Hier möchte ich nochmals auf meine Worte auf der Startseite zurückkommen. Je digitaler und komplexer unsere Welt wird, desto stärker verlieren viele Menschen ihren natürlichen Referenzpunkt.
Systeme, Technologien und gesellschaftliche Strukturen geben zunehmend den Takt vor, während die biologische Realität des Menschen häufig zur veränderbaren Verhandlungsmasse wird.
Gleichzeitig wächst mit zunehmender Diversität auch die Frage nach Identität und Orientierung. Vielleicht liegt ein zentraler Teil dieser Antwort eben nicht ausschließlich in sozialen Rollen oder äußeren Zuschreibungen, sondern tief in der menschlichen Natur selbst.
Für mich liegt die Zukunft deshalb nicht im permanenten Optimieren des Menschen, sondern in der intelligenteren Verbindung von biologischem Potenzial und gesellschaftlicher Entwicklung zu einer gemeinsamen Evolution.
Denn dort, wo Menschen stärker im Einklang mit ihren natürlichen Fähigkeiten, Rhythmen und Potenzialen leben und arbeiten können, entsteht häufig etwas, das sich nicht künstlich erzeugen lässt:
intrinsische Begeisterung.
Nur intelligente Fragen führen zu intelligenten Anworten
Aus diesen frühen Momenten und der daraus resultierenden Erkenntnis heraus, entwickelten sich später meine Bücher, Ausbildungen, Vorträge, internationale Projekte und schließlich Konzepte wie Aufstehen ohne Wecker, ChronoClinic, COPEP oder ChronoCity rund um das Thema „ChronoWorking“.
Der eigentliche Ursprung war nie ein Businessplan, sondern eine einfache Frage:
„Was würde passieren, wenn wir beginnen, Systeme stärker an der Biologie des Menschen und deren enormen Potenzial auszurichten, statt den Menschen dauerhaft an reine Zeit-Systeme anzupassen?„
Seit 2002 sorge ich für Antworten.

